Buschtrommel: Die Psychologie hinter der Maske – Warum uns ihr Tragen so schwer fällt und dennoch so wichtig ist

Gesichter hinter Masken

Wir haben zweifelsohne viel zu viel Viren im Land. Die Gefahr für andere geht dabei weniger von den akut Erkrankten, sondern mehr von der Anzahl der Infizierten aus, die (noch) nicht symptomatisch sind, aber bereits hoch ansteckend. Daher brauchen wir Masken. Sie sind effektiv, sehen aber dämlich aus. Für eine Selfie-Gesellschaft ein absolutes Desaster. Die allgemeine Akzeptanz schwankt in der Bevölkerung derzeit zwischen offensiver Anfeindung und (bestenfalls) zähneknirschender Toleranz. Mich interessiert wie immer die Psychologie dahinter: Was machen Masken mit uns? Warum mögen wir sie nicht? Und warum erleben wir sie als so starke Einschränkung?

 

Warum mögen wir keine Masken?

Die mittelmäßige Akzeptanz rührt daher, daß uns das Gesicht -zumindest in unserem Kulturkreis- extrem wichtig ist in der Kommunikation mit unseren Mitmenschen. Das Gesicht ist das Sozialorgan schlechthin. Eine Teilbedeckung desselben bedeutet eine Art Kommunikationsraub. Und das führt zu Missverständnissen. Denn über die visuelle Interpretation der Mimik wickeln wir immerhin zwischen 50-70% der gesamten Kommunikation ab. Fehlen diese Informationen, machen wir Fehler. Wie oft haben Sie schon Missverständnisse mit Ihrem Partner aus der Welt räumen müssen, die aufgrund einer SMS auftraten?
Darüber hinaus kann man durch bewusstes Abdecken von Gesichtspartien andere leichter in die Irre führen. Nicht umsonst heißt es: wer sich verstellt, „setzt eine Maske auf“. Aus diesem Grund behagt uns eine Gesichtsverschleierung genauso wenig wie eine verspiegelte Sonnenbrille unseres Gesprächspartners. Wir können unser Gegenüber schlechter einschätzen. Es irritiert. Und es erzeugt oft ein leichtes Gefühl von Misstrauen.

Ein weiterer Grund: Anhand der Studiendaten von Maskenträgern im Rahmen einer anderen Pandemie wurde einmal postuliert, daß Masken in freiheitsliebenden Gesellschaften deswegen so unbeliebt sind, weil sie subjektiv einen Hauch von Gleichschaltung erzeugen. So wie wir auch hierzulande keine Schuluniform mögen, wollen wir auch keine Masken, die uns im Gesicht, zumindest untenrum, alle irgendwie ähnlich aussehen lassen. Man vermutet sogar, daß aus diesem Grund derzeit so großes Interesse an einer Individualisierung seiner eigenen Maske mit bunten Farben und verrückten Motiven besteht. Gesichtsbedeckung also ja, aber doch zumindest anders als mein Nachbar. Vielleicht ein schickes Karo? So viel Narzissmus ist uns schon wichtig.

 

Mit Masken schützen wir andere

Hand aufs Herz: Masken tragen ist gar nicht so neu. Die Intention ihrer Nutzung war nur bisher eine andere. Denn der häufigste Grund war ja meist, uns SELBST zu schützen. Entweder aus infektiologischen Gründen auf einer Krankenstation. Oder aus hygienischen Gründen, um bspw. beim Lackieren weniger Dämpfe einzuatmen. Oder im Karneval, um nicht gleich erkannt zu werden, wenn man sich beim Flirten danebenbenahm. Da haben wir sie ja auch akzeptiert.

Machen wir uns also ihre Sinnhaftigkeit bewusst, falls uns das Tragen befremdlich erscheint und schwerfällt. Die Masken sind nach Auswertung einer Reihe an repräsentativen Studien tatsächlich effektiv. Sie sind als Maßnahme aus epidemiologischer Sicht völlig richtig. Aber ausnahmsweise geht es dabei einmal nicht um uns selbst. Der effektivste Eigenschutz bleibt Kontaktabstand von ca. 2m, sehr häufigem Händewaschen und weniger häufigem ins Gesicht fassen.

Die Masken tragen wir dagegen mehr, um ANDERE zu schützen. Denn beim Niesen fliegen die Coronas mit fast 50m/sec durch die Gegend und landen direkt auf und in unserem Gegenüber. Mit Maske über Mund und Nase bleiben sie nach dem feuchten Ausstoß dagegen größtenteils an der Innenseite der eigenen Maske hängen. Keine besonders leckere Vorstellung zwar, wenn man länger drüber nachdenkt. Aber bei zu dichter Besiedlung tun es ja gerade einmal 20min im Backofen bei 80° Grad, um die Viren abzutöten. Wer seine Maske knusprig möchte, auch gerne bei 200° Grad. Bügeln geht auch. Ich wollte es eh mal lernen.

Jeder Mitmensch macht es für seinen Mitmenschen. Ein kollektiver Altruismus. Das zwischenzeitliche Tragen von Masken ist dabei eine verhältnismäßig preiswerte Maßnahme mit wenig persönlichen Einschränkungen, die es uns aber ermöglicht unser schönes Land wieder langsam und schrittweise hochzufahren und die Ausbreitung dennoch kontrollieren zu können. Ich finde das sehr motivierend.

 

Vorteile einer Maske und andere Perspektiven

Und wie immer lohnt auch hier ein humorvoller Perspektivenwechsel: Endlich stört sich niemand mehr an meinem Lippenherpes oder macht mich auch noch drauf aufmerksam. Wie unangenehm war das bislang. Und beim Metzger muss ich nicht mehr nett lächeln. Der war nämlich noch nie freundlich, aber ich bislang immer so heuchlerisch kontrolliert. Ich werde künftig höflich „Danke“ sagen aber dabei unter der Maske Fäkalausdrücke mit den Lippen formen. Für mich ist das sehr entlastend.

Und als Psychiater, der ein kleines bisschen zu Emotionen und Alexithymie geforscht hat: Wir können endlich lernen unsere Empathie zu verbessern. Denn es bleibt beim Tragen der Maske nur noch der Augenkontakt, um unser Gegenüber einzuschätzen. Das öffentliche Leben wird zum Trainingscamp. Vielleicht wägen wir unsere Worte künftig sorgfältiger oder werden versuchen uns besser in den Anderen hineinzuversetzen. Eine Investition, die sich lohnen könnte, meinen Sie nicht?

Also keine Angst vor der Maske, sie sind ja keine Burka. Masken helfen und sind ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, in die wir alle wollen! Und es ist nur vorübergehend.

Erinnern wir uns immer daran, welchen Nutzen sie haben und richten dabei den Blick optimistisch nach vorne. Dafür gibt es schließlich keine Ausrede. Denn die Augen bleiben nach wie vor frei…