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BUSCHTROMMEL

Lassen Sie sich nicht verrückt machen – Warum vieles besser kommt als vorhergesagt

(Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus meiner Kolumne Kopfsache, die ich monatlich für die HANDELSBLATTGROUP Solutions schreibe. Mit freundlicher Genehmigung)

Lassen Sie sich nicht verrückt machen – Warum vieles besser kommt als vorhergesagt wird

Als Gott die Fähigkeit des Schätzens verteilte, stand unsere Spezies nicht in der ersten Reihe. Weder die Haare eines Schnurrbarts noch das Volumen einer Badewanne, oder das Gewicht einer Orange können wir treffsicher angeben. Noch schlechter gelingt uns die Einschätzung unserer Fähigkeiten. So halten wir die eigene sexuelle Ausstrahlungskraft für größer und die Intelligenz für höher als sie ist. Studien zeigen, dass wir sogar die Intelligenz des Partners überschätzen (Unterziehen Sie ihn/sie daher besser noch mal einem Test).

Ähnlich schlecht schätzen wir die Zukunft: Der amerikanische Psychologe Philip Tetlock untersuchte 82.000 Vorhersagen von 284 Experten aus Politik und Wirtschaft über den Verlauf von 20 Jahren. Das niederschmetternde Ergebnis: Meist lagen sie daneben. Denn Prophezeiungen sind „unterkomplex“, d.h. sie berücksichtigen in einer komplizierten Welt zu wenige Argumente. Zudem sind sie oft von Emotionen getrieben statt von Fakten und orientierten sich an „gefühlten Wahrheiten“ der öffentlichen Meinungsbildung.

Dennoch lieben wir Prophezeiungen, insbesondere die schrecklichen. Die Schriften des Nostradamus gehören bis heute zu den bestverkauften Büchern der Welt. Das Problem bei allzu negativer medialer Hysterie ist: Wir blicken selber schwärzer in die Zukunft, als sie sein wird. Dabei überbewerten wir Einzelereignisse (Fokalismus-Fehler) oder wir übersehen die eigenen Möglichkeiten unsere Zukunft selbst zu gestalten (Abwehr-Fehler).

Schützen Sie daher Ihre Seele vor zu viel Schwarzmalerei. Es geht mir nicht um eine romantische Weltsicht, die das tägliche Leid vieler Menschen rund um den Globus klein redet oder schicksalhafte Entwicklungen negiert, die auch die gegenwärtige Pandemie mit sich bringt. Auch darf eine konstruktive Sicht auf die Welt nicht davon ablenken, dass wir aktuell gesamtgesellschaftlich vor großen Herausforderungen stehen, die wir beherzt anpacken müssen. Aber eine negative Zukunftssicht hilft bei all diesen Dingen nicht.

Glauben Sie einem Psychiater: Das Gefühl von Mut und Zuversicht entsteht nie über die Gewissheit in der Zukunft, sondern immer nur aus der bestmöglichen Gestaltung der Gegenwart. Bewahren Sie dabei immer in Hirn und Herz: Die meisten Dinge kommen besser als man denkt, auch wenn es uns selbst ernannte Propheten anders einreden wollen.

Der französische Philosoph Montaigne formulierte es einmal besonders treffend: „Mein Leben war voller schrecklicher Unfälle, von denen die meisten nicht eingetreten sind“.

 

Der vollständige Text auch hier als Podcast Die Zukunft kommt meist besser.

Der Podcast ist Teil meiner Serie Gehirn Gehört bei Apple Podcasts oder bei Spotify.

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