Finanzielle Not erhöht das Schmerzempfinden

Die Studie einer Arbeitsgruppe aus Virginia zeigte jüngst, daß die Überzeugung finanziell in Not zu geraten das Schmerzempfinden erhöht bzw. die Schmerztoleranz senkt. Als Folge dessen erhöhte sich der Schmerzmittelverbrauch frei verkäuflicher Schmerzmittel.
In verschiedenen Einzelstudien wurden über 30.000 amerikanische Haushalte bezüglich der ökonomischen Situation erhoben (bspw. Arbeitslosigkeit) und die Angaben über Schmerzen bzw. die Einnahme von Schmerzmitteln in den Familien ermittelt. Es zeigte sich die oben beschriebene positive Korrelation. Die statistische Beziehung zwischen den Größen wurde hierbei durch das Ausmaß subjektiv empfundener Kontrolle vermittelt: Wer seine Situation als unkontrollierbar empfand, sich der beruflichen und finanziellen Situation gegenüber also quasi passiv ausgeliefert fühlte, litt signifikant häufiger unter Schmerzen und Schmerzmittelverbrauch. Hiermit übereinstimmend zeigte sich schließlich auch eine reduzierte Fähigkeit Kälteschmerz auszuhalten. Je schlechter die finanzielle Situation für die Betroffenen war und je hilfloser sie sich bei der Problemlösung einschätzten, desto weniger lang hielten sie es aus ihre Hand in eiskaltes Wasser nahe dem Gefrierpunkt zu tauchen.
Die Studie ist ein eindrucksvoller Beleg für die psychosozialen Zusammenhänge der Schmerzentstehung und -aufrechterhaltung. Darüber hinaus stimmt sie nachdenklich, da man sich fragt, wie hoch wohl die Einsparungen an Gesundheitskosten sein könnten, wenn sozial gefährdete oder bereits abgehängte Menschen in unserer Gesellschaft hoffnungsvoll und zuversichtlich in ihre Zukunft blicken könnten…

 

Wissenschaftliche Studien // Artikel // Quellenangaben:

  • Chou, EY; Parmar, BL; Galinsky, AD. Economic Insecurity increases physical pain. Psychological Science 2016, Vol 27 (4), p.443-454