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Kopfkino – Minority Report und der vorausschauende Blick in die Zukunft

Kino weist manchmal beklemmende Parallelen mit der realen Welt auf: Können und dürfen wir künftig wahrscheinliche Verbrechen ahnden, bevor sie eintreten? Kürzlich habe ich mal wieder den Film Minority Report gesehen, der mich an etwas Aktuelles erinnert.
 

Der Minderheiten-Bericht

Die Geschichte spielt in der Zukunft, in der unsere Gesellschaft eine Technik entwickelt hat, mit der mutierte Menschen (die sog. Pre-Cogs) Verbrechen bereits VOR ihrem Eintreten vorhersagen können. Die Täter in spe werden daraufhin für ihr KÜNFTIGES Verbrechen festgenommen, verurteilt und hart bestraft. So hat es die Gesellschaft der Zukunft geschafft, die Kriminalität drastisch zu senken. Der 2002 gedrehte Film von Steven Spielberg beruht auf der Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Philip K. Dick aus den 50er Jahren.
Tom Cruise spielt John Anderton, der als Mitarbeiter der Behörde Pre-Crime selbst in die Ermittlungen gerät, nach dem die Pre-Cogs vorhersagen, der auch er einen Mord begehen wird. Er versucht im Rest der Geschichte seine Unschuld zu beweisen, und untersucht die Umstände, die anscheinend zu der schrecklichen Tat führen werden.
Bei seiner Suche nach den Gründen für die mörderische Vorhersage bekommt er die Information, dass anscheinend mitunter Uneinigkeit zwischen den Pre-Cogs bezüglich ihrer Weissagung eines Verbrechens besteht. In diesem Fall wird ein sog. Minderheiten-Bericht (Minority Report) erstellt, der die Zweifel an dem zukünftigen Verbrechen dokumentiert. Allerdings wird diese Datei tief im Kopf einer der Pre-Cogs gespeichert und bleibt dort für immer verborgen. Denn das System lässt keine Zweifel an der Gültigkeit der Zukunftsvoraussage zu. Viele Verbrechen zu verhindern rechtfertigt, dass einzelne unschuldig in Haft genommen werden, auch wenn sie das Verbrechen nie begehen werden.
 

Die Gefahren der Künstlichen Intelligenz bei vorausschauender Polizeiarbeit

Der Film erzeugt bei mir Kopfkino. Denn auch unsere Gesellschaft entwickelt immer mehr Strukturmaßnahmen zum Predictive Policing. Die Anwendung vorausschauender Polizeitarbeit lieferte in ersten Studien allerdings grottige Resultate. Kein Wunder: Denn die Künstliche Intelligenz, die dafür nötig ist, muss aus Korrelationen von Daten der Vergangenheit Schlüsse für eine Zukunft ableiten. Da im Internet, aus welchem sich die Software bedient, jedoch viele Stereotype und Vorurteile lauern und unzensierte Falschinformationen verbreitet werden, gestaltete sich eine sichere Vorhersage in der jüngeren Vergangenheit schwierig:
So schlug ”prä-kognitive” Software in der jüngeren Vergangenheit in den USA vor wenigen Jahren vor, dass bei der schwarzen Bevölkerung mehr Waffen und Drogen gefunden werden würden. Die Daten der Vergangenheit hätten eindeutig mehr Waffenbesitz belegt.
Der unbequeme Minority Report: In der Vergangenheit sind aufgrund von Rassismus und Diskriminierung in den USA einfach häufiger in der schwarzen Bevölkerung nach Waffen gesucht, und daher statistisch natürlich auch häufiger dokumentiert worden. Die Waffen der weißen Bevölkerung blieben dagegen oftmals verborgen, da hier nicht so oft gesucht wurde. Weniger Waffen besitzen tun Weiße deswegen aber nicht. Ein klassischer Fall einer selbsterfüllenden Prophezeiung, aber kein Beleg für einen proportional höheren Waffenbesitz und schon gleich gar nicht für eine höherer Gewaltbereitschaft der schwarzen Bevölkerung im Allgemeinen.
Ich halte es für gefährlich, wenn wir KI so blindlings in die Falle laufen. Die Zukunft kann niemand vorhersagen. Und sie lässt sich nicht aus der Vergangenheit ableiten. Vielleicht ist das auch gut so.
 

Die Zukunft gestalten, auch wenn wir sie nicht kennen

Das was hilft die Zukunft zu gestalten, ist nicht die Analyse der Vergangenheit durch eine Software. Und auch nicht durch Pre-Cogs. Sondern saubere Forschung, die Zusammenhänge aufzeigt, eine Industrie, die Algorithmen der KI überwacht und schrittweise verbessert, Eltern und Lehrer, die Kinder über Vorurteile und vorschnelle Annahmen in unsere Gesellschaft aufklären und Menschen, die besonnen nachdenken, und jedem Mitmenschen eine Chance geben, bevor sie über ihn urteilen.
 
Der Weg unserer Gesellschaft in eine Welt der Predictive Policy scheint in der Praxis jedoch Gott sei es gedankt noch relativ weit. Vielleicht kommen wir dort besser nie an.
Da gehe ich doch lieber ins Kino…
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