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Lachen trotz Krise? – Warum uns Humor gerade jetzt gut tut

In der Corona-Krise wird, wie schon in der Finanzkrise vor einigen Jahren, von „systemrelevanten Unternehmen und Berufen für die Wirtschaft“ gesprochen. Was aber systemrelevant für unsere Psyche ist – davon hören wir viel seltener. Dabei ist es doch fast noch wichtiger, dass wir in Zeiten von Krisen weder unseren Mut noch unseren Optimismus verlieren. Und die könnten uns ja angesichts der Sorgen um die Gesundheit und die konjunkturellen Aussichten leicht abhanden kommen.
Glücklicherweise haben wir Menschen ein großartiges Krisen-Gegenmittel: Das ist unser Lachen.

Krisen-Gegenpol Lachen

Das Urprinzip der Natur ist ein steter Wechsel zwischen zwei Polen: Sonnenaufgang folgt auf Sonnenuntergang, Ebbe auf Flut, Diastole des Herzens auf Systole. Und so ist es auch mit unserer Stimmung. Zu jeder depressiven Stimmung gehören Freude und Humor, die sie wieder ausgleichen.
Gerade in Krisenzeiten, die ja von Unsicherheit, Ängstlichkeit, Unverständlichkeit und vielleicht auch Wut gekennzeichnet sind, brauchen wir das Lachen als emotionalen Ausgleich.
Humor tröstet, lenkt ab und – wenn wir mit anderen zusammen lachen – solidarisiert. Aber das Allerwichtigste überhaupt: Über das Lachen lassen wir Druck ab. Wie das geht? Lassen Sie uns schauen …

Befreites Loslassen

Ein Hauptunterschied zwischen Humor und Traurigkeit ist, dass wir in unserer Traurigkeit versuchen, das negative Gefühl zu unterdrücken und zu kontrollieren. Das kostet Kraft und verursacht das eigentliche Leiden.
Ein herzhaftes Lachen dagegen bedeutet Kontrollverlust: Es platzt einfach aus uns heraus und befreit uns. Im Emotionsmanagement gilt ganz allgemein: Sich um Kontrolle bemühen strengt immer an, Kontrolle loslassen befreit.
Die Kontrolle abzugeben hilft uns, absurde Situationen besser zu verdauen und uns von Belastungen zu lösen. Witze zu reißen über eine Situation, die alles andere als witzig ist, schafft besonders gut Distanz zu genau dieser Situation – selbst wenn sie noch so grauenhaft ist.

Selbst am dunkelsten Ort

Vielleicht kennen Sie den jüdischen Psychiater Viktor Frankl. Er überlebte das KZ, verlor aber seine gesamte Familie dort. Er berichtete noch Jahre später davon, dass die Lagerinsassen häufig Witze über die Nazis machten.
Das soll das furchtbare Leiden, das dort geschah, in keinster Weise kleinreden. Es verbesserte auch die objektive Lage im Konzentrationslager nicht und doch war der Humor eine unglaublich effektive Waffe im Kampf um die psychische Selbsterhaltung an diesem dunklen Ort.
Lachen wirkt aber nicht nur wohltuend auf die Psyche. Es hat auch positive Einflüsse auf ganz verschiedene körperliche Funktionen. Drei Beispiele will ich Ihnen dazu nennen.

Mehr Sauerstoff, weniger Schmerz

Erstens: Wenn wir Witze hören, wird messbar mehr Sauerstoff zu unsere Zellen transportiert und unsere Muskeln werden signifikant besser durchblutet – außer natürlich die Witze sind sehr schlecht.
Zweitens reduziert sich durch Lachen nachweislich unser Schmerzempfinden: Eine Arbeitsgruppe aus der Schweiz hat vor wenigen Jahren herausgefunden, dass Probanden, die eine Folge der britischen Comedy-Sendung „Mr. Bean“ gesehen hatten, ihre Hand länger in Eiswasser halten konnten, bevor es ihnen unerträglich wurde, als welche, die nichts Lustiges zu sehen bekommen hatten.
Und den für mich erstaunlichsten Effekt auf unser Immunsystem fand bereits in den 1960er Jahren William M. Fry, der Vater der Lachforschung heraus.

Mehr Abwehrkraft

Der Psychiater und Wissenschaftler aus Ohio setzte sich selbst mit einigen Probanden zusammen vor den Fernseher, um sich Episoden der Komiker „Dick und Doof“ anzusehen. Alle paar Minuten nahm er während der Sendung sich und den anderen Blut ab.
Es stellte sich heraus: Je lustiger der Einzelne die Sendung fand, umso stärker stieg die Zahl seiner T-Lymphozyten und der Natürlichen Killerzellen an. Beide Zelltypen brauchen wir, um Viren und andere Krankheitserreger abzuwehren. Wer herzlich lacht, ist also nicht nur für Corona weniger empfänglich.
Das heißt selbstverständlich nicht, dass wir auf Maske und Abstand verzichten sollten, nur weil wir heute schon einmal gelacht haben. Aber ich wette, wir kommen auch mit diesen kleineren Einschränkungen besser zurecht, wenn wir sie mit Humor nehmen.

Nichts als Medizin

Sie sehen: Es gibt viele gute Gründe, warum wir gerade in der Krise nicht weniger, sondern mehr lachen sollten. Schenken Sie deshalb sich selbst und anderen täglich eine große Portion der vielleicht schönsten und stärksten Medizin, die wir Menschen je erfunden haben: das Lachen.

Lachen trotz Krise? – Warum uns das gerade jetzt gut tut – Volker Busch

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