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Macht Sport uns schlau?

„In einem gesunden Körper ist ein gesunder Geist.“ Mit dieser Aussage stand der römische Schriftsteller Juvenal im 2. Jahrhundert n.Chr. so ziemlich alleine da. Von keinem Arzt dieser Zeit ist bekannt, dass er seinen Patienten Sport empfohlen hätte, um geistig fit zu bleiben. Ob es Juvenal wirklich ernst gemeint hat, wissen wir nicht, denn er war als Satiriker bekannt. Aber er hatte auf jeden Fall recht.
Das ist inzwischen auch wissenschaftlich nachgewiesen: Seit gut 20 Jahren befassen sich die Neurowissenschaften (endlich) mit dem Thema. Den Anstoß dafür gab der Neurobiologe Donald Hebb – oder besser gesagt: seine Kinder.

Ein tierisches Sport-Trainingslager

Donald Hebb hatte ihnen nämlich in 1940er Jahren aus seinem Labor ein paar Ratten mit nach Hause gebracht. Die Kinder hatten großen Spaß daran, den Nagern Laufstrecken zu bauen, sie balancieren und klettern zu lassen.
Als Vater Hebb die Ratten wenige Wochen später wieder ins Labor zurückbrachte, staunte er nicht schlecht: Die Ratten, die ein paar Tage im Trainingslager seiner Kinder verbracht hatten, konnten geistige Alltagsaufgaben deutlich besser lösen als ihre gleichaltrigen Laborgenossen, die die Zeit in ihren kleinen Käfigen verbracht hatten. Insbesondere ihre Gedächtnis- und Orientierungsleistungen verbesserten sich enorm.

Mehr und vernetzter

Neugierig, wie Forscher eben sind, verglich er später die Gehirne der Ratten: Tatsächlich war die äußere Gehirnrinde, der Kortex, bei den bewegten Ratten um satte 8 % dicker. Es waren nicht nur neue Zellen gewachsen, sondern diese zeigten auch ein stärkeres Dendritenwachstum, also ein höheres Maß an Verzweigung.
Dass das beim Menschen auch zutrifft, haben moderne Studien inzwischen vielfach nachgewiesen: Auch das menschliche Hirngewebe wird durch Bewegung stimuliert.
Doch bevor Sie Ihre schulpflichtigen Kinder jetzt umgehend von der Schule abmelden und stundenlang um den Häuserblock laufen lassen, lassen Sie uns noch die spannende Frage beleuchten:
Machen Sport und Bewegung uns Menschen wirklich schlauer?

Schach ohne Würfel

Um direkt auf den Punkt zu kommen: Vom Joggen allein verbessert sich weder der globale IQ noch die Allgemeinbildung. Wenn Sport allein unsere akademische Intelligenz erhöhen könnte, wären alle Leistungssportler geradezu kognitive Bestien. Zitate wie „Fußball ist wie Schach nur ohne Würfel“ würde es dann wohl nicht geben.
Aber jetzt kommt das ganz große Aber: Mit der richtigen Bewegung können Menschen tatsächlich eine ganze Reihe von Teilleistungen ihres Gehirns verbessern. Dazu gehören unter anderem Gedächtnis, Raumorientierung aber auch sog. exekutive Funktionen, also Konzentration und Handlungsplanung. Hiervon profitieren sowohl Kinder in ihrer Entwicklung, als auch ältere Menschen in ihrer Alltagsfunktionalität. Und egal wie jung oder alt Sie sind: Auch Ihnen möchte ich Bewegung wegen seiner positiven Wirkung auf Ihren Geist ans Herz legen.
Damit körperliche Bewegung ein positiver Reiz für Ihr Gehirn wird, sollten Sie folgende drei Fragen bejahen können.

Mit drei Fragen zu Ihrer optimalen Bewegung

1) Macht Ihnen diese Bewegung Spaß? Tut sie das, ist nicht nur die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie sich dazu aufraffen können. Sie fördern in diesem Fall auch biochemisch die Nervenzellneubildung und -verdrahtung auf optimale Weise. Denn empfinden Sie Freude und Spaß, schüttet Ihr Gehirn vermehrt den „Nervenwachstumsdünger“ Dopamin aus. Wenn Sie also mehr Spaß haben am Wandern in den Bergen als auf dem Laufband im Fitnessstudio – gehen Sie raus und tun Sie genau das.

2) Ist die Bewegung ab und zu auch anstrengend? Gut so, denn nur dann scheinen sich neue Nervenzellen eher zu bilden. Wie viel Anstrengung nötig ist, lässt sich nicht leider nicht ganz pauschal sagen. Aber mehr als der Gang zum Kühlschrank oder zur Tiefgarage dürfte es in jedem Fall sein. Optimal ist vermutlich regelmäßige Bewegung, die mittelmäßig anstrengend ist. Und ab und an sollten Sie auch mal an die Grenze oder etwas darüber hinaus gehen.

3) Ist die Bewegung motorisch abwechslungsreich? Eine goldene Regel der Neurobiologie lautet: Nichts stimuliert das Gehirn so sehr wie die Überraschung – und das scheint auch auf den Wachstumsreiz bei Bewegung zuzutreffen. Klettern, Turnen, Tanzen oder andere motorische Herausforderungen haben einen besonders hohen Reizcharakter.
Wie wäre es also mal mit einem Tanzkurs? Vielleicht sogar als Geburtstagsgeschenk für Ihren Partner? Zumindest die Frauen werden sich darüber freuen. Sorry liebe männlichen Leser.

Falls jedoch einer von Ihnen beiden so gar kein Talent zum Tanzen hat: Ein gemeinsamer Kletterkurs ist auch eine feine Sache – und die Gefahr kleiner, dass Sie sich gegenseitig auf die Füße treten.
Bleiben Sie – in jedem Fall – bewegt …

Macht Sport schlau? Volker Busch

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