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Wie Sie die Brille der negativen Gedanken absetzen

Momentan erlebe ich in meiner Sprechstunde vermehrt Menschen, die unter Stress leiden. Kein Wunder – Corona hat uns psychisch aus der Bahn geworfen. Wir hören seit Monaten von kaum etwas anderem als „Krise“ und „Infektionszahlen“. Die Sprache, die uns umgibt, wirkt sich auf unsere Gedanken aus. Und damit auf unsere Gefühle. Denn Gedanken und Gefühle sind untrennbar miteinander verwoben. Beides ist schwer zu kontrollieren, und so beeinflussen sich unsere schlechten Gedanken und negativen Gefühle gegenseitig.

Die Postzentrale der negativen Gedanken

Unser Gehirn ist ungerecht: Liefern Sie ihm zehn positive und zehn negative Meldungen, so werden die negativen in Ihrem Gehirn bevorzugt weitergegeben und bleiben Ihnen länger im Gedächtnis. An jeden verletzenden Spruch erinnern wir uns weitaus besser und länger als an schöne Komplimente.
Wieso das so ist? Stellen Sie sich vor, dass neue Informationen Ihr Gehirn wie Briefe erreichen. Intern werden sie geprüft: Schöne Postkarten werden kurz gescannt. Die Postbeamten erkennen, dass sie keine weiteren Reaktion benötigen und sie landen schnell im Papierkorb. Schlechte Nachrichten, die für Sie potentiell Gefahr bedeuten, bekommen so viel Aufmerksamkeit wie ein Bescheid vom Finanzamt im realen Briefkasten: Alarmstufe rot! Sie haben Stress pur.
Der Brief geht einmal im Kreis an alle Zuständigen und vorsichtshalber werden noch Kopien abgelegt – falls Sie die Info noch einmal brauchen. Unser Gehirn richtet seine Aufmerksamkeit darauf, was unser Überleben sichert. Und für die schönen Dinge im Leben bleibt nur wenig Kapazität – auch wenn sie viel bessere Laune bescheren würden.

Lauter schlechte Nachrichten?

Sie sehen: Negatives Denken ist menschlich. Wir scheinen sogar geradezu süchtig danach zu sein. Das fällt mir besonders auf, wenn ich mal wieder im Stau stehe, weil ein paar Spanner den Unfall auf der Gegenfahrbahn begaffen. Die Schuld für unsere negativen Gedanken allein auf die Medien zu schieben, die uns all diese schlechten Nachrichten bringen, greift deswegen zu kurz. Offensichtlich wollen wir Menschen möglichst viel über „Schrecken“ und „Horror“ hören. Und klicken automatisch lieber auf Nachrichten, die solche Wörter im Titel tragen.
Genauso zu kurz gegriffen ist es aber auch, wenn ein Coach nach dem anderen uns empfiehlt: „Think positive“. Wir sollen alle negativen Gedanken unterdrücken, nur noch durch rosarote Brillen blicken und uns im Spiegel solange zulächeln, bis wir uns glauben, uns ginge es besser.
Ihre Ängste, Ihre Empörung, Ihre Wut: Alle diese Emotionen gehören zu Ihnen und zu Ihrem Leben. Sie zu ignorieren ist Blödsinn. Was Sie damit besser anstellen, steckt schon in dem Wort „Emotionen“ selbst: Es stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt „Herausbewegung“. Und genau das sollten Sie mit Ihren Emotionen tun: sie zu- und herauslassen.

Heraus damit!

Mein Tipp, wenn Sie merken, dass die negativen Gedanken immer die Überhand gewinnen: Schreiben Sie sie auf. Alle.
Ich empfehle Ihnen dafür ein Notizbuch und ein abendliches Ritual: Schlagen Sie eine Doppelseite auf und schreiben Sie auf die linke Seite alles, was Sie traurig oder wütend gemacht hat am Tag und welche Sorgen Sie haben. Wenn Sie alles niedergeschrieben haben, atmen Sie kurz durch und wenden sich der rechten Seite zu.
Jetzt überlegen Sie ganz bewusst: Was lief gut heute? Was war besser als erwartet? Was haben Sie selbst dazu beigetragen, damit es gut lief?
Durch solche Tagesbilanzen können Sie die Postzentrale in Ihrem Gehirn dazu bringen, auch die schönen Postkarten herumzureichen – und nicht nur den Brief von Finanzamt. So trainieren Sie Ihr so genanntes konstruktives Denken – und durchbrechen den negativen Gedanken-Gefühls-Kreisel.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich schon heute Abend etwas Ruhe verschaffen können für Ihr positives Gedankentraining…

negative_Gedanken_Volker_Busch

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