Was uns das neue Asterix-Abenteuer über unser unfaires Gehirn lehrt…

Kinder in der Grundschule mit Nickelbrillen erhalten die besseren Noten. Dahinter steckt keine diskriminierende, bewusste Haltung des Lehrers, sondern ein Stereotyp. Nur wer es (er)kennt, kann sich davor bewahren. Unser Gehirn mag es einfach. Es nutzt sog. Vereinfachungsheuristiken um die Komplexität der Welt zu erfassen. Kritisches Durchdenken ist nämlich anstrengend. Es verbraucht sogar mehr Kalorien. Bequemer ist es dagegen, Dinge anzunehmen und nicht zu hinterfragen. Wer wenig weiß, muss viel glauben.

Jeden Tag nutzen wir daher zahlreiche Stereotypien und Vorurteile. Hieraus wiederum entstehen oftmals unfaire Urteile und Fehlentscheidungen. Unseren Mitmenschen werden wir mit Stereotypien meist nicht gerecht.

Eine kürzlich sehr hochrangig publizierte Studie im Journal „Science“ hat dies wieder einmal auf erschreckende Weise belegt: Knapp 100 Kindern wurden Geschichten von Menschen vorgelesen, die sehr intelligente, geradezu brillante Leistungen vollbrachten. Danach bat man sie anzugeben, ob sie sich einen Mann oder eine Frau während der Geschichte vorgestellt hätten. Bis zum Alter von 5 Jahren neigten die Kinder dazu, dem eigenen Geschlecht den Vorzug zu geben. Ab dem Schulalter jedoch neigten Jungs UND Mädchen dazu, signifikant häufiger Männer mit „Brillanz“ zu assoziieren.

Der Einfluss von Vorurteilen, mit denen aufwachsende Kinder von Jahr zu Jahr sozialisiert werden, wird hier also deutlich. Vereinfachungsheuristiken führen zu Mythen, daß Frauen schlechter einparken und Männer schlechter kochen. Beides ist längst widerlegt. Trotzdem glauben wir an Vorurteile und zementieren sie damit Tag für Tag. Der Mensch hatte immer schon die Eigenschaft, an seine eigenen Geschichten zu glauben, wenn er sie sich nur lange genug einredet.

Die Studie regt an stets kritisch zu bleiben, seine vorschnellen Heuristiken von sich und der Welt öfter mal zu hinterfragen und sich nicht ständig mangelnde Fähigkeiten einreden zu lassen, die andere einem absprechen, nur weil sie es sich einfach machen und nicht sorgfältiger denken möchten.

Wer keiner Studie traut, darf das neue Abenteuer von Asterix lesen (Asterix in Italien). Die Geschichte steckt voller herrlich lustiger Stereotypien über die europäischen Völker. Autsch, auch die Deutschen kriegen Ihr Fett weg. Das Vorurteil Fahrzeuge zu manipulieren wird das tradierte Stereotyp gute Autos zu bauen wohl ablösen.

Oder machen es sich die Franzosen mal wieder nur einfach? Wäre ja mal wieder typisch…

 

Quellen:

Gender stereotypes about intellectual ability emerge early and influence children’s interests

Bian, L; Leslie, SJ; Science 27, 2017, Vol 355, Issue 6323, pp389-391;

Asterix in Italien, Band 37, Okt 2017, Ferry JV, Conrad, D